Prolixletter
Montag, 21. September 2026
  --- Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter auf unserer Startseite !  --- Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter auf unserer Startseite !
Uhr
  •  


Grüne Quellen

Tunnelbau für Ameisenbär & Co.
© ICAS
 
Tunnelbau für Ameisenbär & Co.
Wilhelma feiert Erfolge beim Schutz von Großen Ameisenbären in Brasilien

Am 19. November wird nicht nur in Brasilien der Welttag des Ameisenbären gefeiert. Auch in der Wilhelma in Stuttgart gibt es zu diesem Anlass Grund zum Jubeln: Im Rahmen eines zusammen mit dem Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma unterstützten Artenschutzprojekts in Brasilien wurden nämlich im Oktober 2025 erstmals Tunnel fertiggestellt, mit deren Hilfe Große Ameisenbären auf sichere Art und Weise gefährliche Autobahnen unterqueren können.

Die Wilhelma und ihr Förderverein engagieren sich bereits seit mehreren Jahren für die von dem Artenschützer Arnaud Desbiez gegründete brasilianische Nichtregierungsorganisation ICAS („Instituto de Conservação de Animais Silvestres“). Diese setzt sich unter anderem für den Schutz von Großen Ameisenbären ein. Die Art wird auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „gefährdet“ eingestuft. Zu den Gründen dafür gehört neben dem Verlust der Lebensräume auch die Bedrohung durch den Straßenverkehr: Immer mehr Schnellstraßen durchziehen die Graslandschaften, Wälder und Sümpfe im Bundesstaat Mato Grosso du Sul – auch im Pantanal, dem größten Binnenland-Feuchtgebiet der Erde. Dabei werden nicht nur Große Ameisenbären Opfer von Kollisionen mit Fahrzeugen: Zwischen 2017 und 2020 überwachten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ICAS insgesamt 85.000 Kilometer Autobahnstrecke in Mato Grosso du Sul. In diesem Zeitraum zählten sie 766 Große Ameisenbären, 968 Wasserschweine und 425 Tapire als Verkehrsopfer am Straßenrand. Man schätzt, dass es sich dabei nur um 25% der tatsächlichen Todesfälle handelt, zumal viele Tiere nicht direkt am Straßenrand verenden. Um Konzepte zur Vermeidung von Tierunfällen zu entwickeln, wurden junge Ameisenbären mit Sendern ausgestattet. Dadurch konnte nachvollzogen werden, wie sich Ameisenbären, ganz besonders Jungtiere nach der Abwanderung aus dem elterlichen Revier, in ihren Lebensräumen bewegen, ob sie z. B. Waldränder oder Wasserläufe als Leitlinien nutzen – und wo sie auf ihren Wanderungsrouten mit hoher Wahrscheinlichkeit Schnellstraßen überqueren.

Auf Basis dieser wissenschaftlich fundierten Daten startete eine intensive Lobby- und Überzeugungsarbeit gegenüber Behörden, Unternehmen und der Zivilgesellschaft, mit dem Ziel, Unfallschwerpunkte zu entschärfen. Die Aufstellung von Warnschildern durch die zuständigen Behörden stellte bereits einen ersten Teilerfolg dar. Mit Tunneln zur Unterquerung von Straßen an besonders gefährlichen Punkten wurde erstmals ein noch deutlich wirksameres Instrument zur Vermeidung von Tierunfällen geschaffen. Der erste nun eingerichtete Tunnel unterquert die BR262, welche aufgrund der dort hohen Zahl von Wildunfällen in internationalen Medien bereits als „Highway des Todes“ bezeichnet wurde.

Stefanie Reska, Leiterin der Stabstelle für Artenschutz in der Wilhelma, erklärt: „Durch Videoüberwachung wurde bereits bestätigt, dass die Tunnel angenommen werden. Sowohl Große Ameisenbären als auch Tapire und Greifstachler konnten dabei bereits nachgewiesen werden. Es ist also Fakt: Die Tunnel sorgen für mehr Sicherheit – nicht nur für bedrohte Tierarten, sondern auch für Autofahrerinnen und Autofahrer.“

Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin zeigt sich ebenfalls begeistert: „Bereits seit 2021 unterstützen wir und unser Förderverein die Organisation ICAS beim Schutz des Großen Ameisenbären vor den Auswirkungen des Straßenverkehrs in Brasilien. Über 100.000 € haben wir seitdem in das Projekt investiert. Wir freuen uns, dass wir über den Ameisenbären als Flagschiffart auch viele Individuen anderer Arten vor dem Unfalltod bewahren werden.“

zum Bild oben:
Ein Großer Ameisenbär wird freigelassen, nachdem er mit einem Peilsender ausgerüstet wurde.
© ICAS
 
 

Die Wilhelma auf der ANIMAL 2025
© Foto: Wilhelma Stuttgart/Simona Steeger
 
Die Wilhelma auf der ANIMAL 2025
Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart präsentiert sich auf der Heimtiermesse in Stuttgart

Auch in diesem Jahr ist die Wilhelma wieder auf der Heimtiermesse ANIMAL vertreten, die von Freitag, 21. bis Sonntag, 23. November 2025 auf dem Gelände der Landesmesse Stuttgart stattfindet. Die Wilhelma und ihr Förderverein nutzen die Gelegenheit, um über die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt des Zoologisch-Botanischen Gartens und die Angebote der Wilhelmafreunde zu informieren.

Am Stand der Wilhelma (Halle 5, Stand 5D34) erwartet die Gäste ein abwechslungsreiches Programm. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wilhelma stehen mit Mitgliedern des Vereins der Freunde und Förderer der Wilhelma für Fragen rund um die Flora und Fauna des Zoologisch-Botanischen Garten und die gemeinsam unterstützten Artenschutzprojekte zur Verfügung.

Für Kinder bietet der Stand wieder eine Reihe von spielerischen Mitmachaktionen: Beim Tiermotive-Malen dürfen die jüngsten Besucherinnen und Besucher der Messe ihrer Fantasie freien Lauf lassen, während Wissensspiele rund um Tiere und Pflanzen für Spannung sorgen. Als kleine Belohnung winken Überraschungen wie Saatgut-Tütchen oder Postkarten mit Tiermotiven.

zum Bild oben:
Die Wilhelma ist zusammen mit dem Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma auf der ANIMAL in Stuttgart vertreten.
© Foto: Wilhelma Stuttgart/Simona Steeger
 
 

Die Veitskapelle in Stuttgart-Mühlhausen
Stuttgart: Ev. Veitskapelle M.L. (c) Preiss / DSD
 
Die Veitskapelle in Stuttgart-Mühlhausen
Ein meisterhaftes Zeugnis Prager Kunst und europäischen Geists

Peter Parler, ein Bildhauer des 14. Jahrhunderts, in Schwäbisch Gmünd geboren, erlernte sein Handwerk in Köln, übernahm die Berufsbezeichnung Parler als Name und wurde dann in Prag Dombaumeister. Der Begriff Parler bezeichnete einen Meister des Bauhandwerks bzw. Sprecher einer Bauhütte. Mit seinem Vater, seinen Brüdern und seinen beiden Söhnen schuf Peter Parler eine Vielzahl von baulichen Meisterwerken der Gotik. In Böhmen gründete er schließlich eine Schule, in der zahlreiche Bildhauer, Zieseleure, Modelleure und Maler tätig waren. Ihr Einfluss reichte weit über Böhmen hinaus. Heute steht der Name Parler für eine europaweit tätige Familie.

Meister aus der Dombauhütte der Parler waren wohl auch für den Bau einer der ältesten Kirche Stuttgarts verantwortlich, der nach dem Nationalheiligen Böhmens benannten Veitskapelle in Mühlhausen. Ortsadlige stifteten 1380 die dem Heiligen Veit gewidmete Kirche. Die Edelleute hatten als Diplomaten in Prag gelebt, damals Lieblingsresidenz von Kaiser Karl IV. und wichtigem Zentrum der Macht in Europa. Aus Prag brachten sie sowohl das Patrozinium als auch die Künstler mit nach Stuttgart.

Der äußerlich schlichte Bau besteht aus einem rechteckigen, flachgedeckten Saal, an den sich im Osten ein schmalerer, gewölbter Chor und im Westen ein quadratischer Turm anschließen. Was die Kirche zu einem der bedeutendsten Kleinode gotischer Baukunst in der Region macht, sind vor allem die zwischen 1400 und 1440 von den Prager Künstlern geschaffenen Wand- und Gewölbemalereien. Besonders hervorzuheben sind hierbei die 12 Felder der Veitslegende an den Chorwänden. Die Steinbaldachine zu beiden Seiten des Chorbogens wurden nachträglich eingefügt. Die spätgotischen Altäre – der Hochaltar sowie die beiden Seitenaltäre – entstanden zu Anfang des 16. Jahrhunderts.

Trotz ihrer außerordentlichen Bedeutung wurden an der im Zweiten Weltkrieg unbeschädigten, kirchlich und kulturell genutzten Veitskapelle lange Zeit keine grundlegenden Sanierungsarbeiten durchgeführt. Zwischenzeitlich war das Dachtragwerk infolge von Feuchtigkeitsschäden und Schädlingsbefall derart stark geschwächt, dass es an den Fußpunkten auswich und die Mauerkrone nach außen drückte. Dadurch kam es insbesondere im Chor, aber auch an den Fensterscheiteln zu Mauerwerksrissen. Dazu kamen Schäden an den Natursteinen am Chor und den Putzflächen.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich ab 2009 neben Bund, Land, Kommune und Landeskirche dank der Mittel der GlücksSpirale, privater Spenden und der Erlöse eines Benefizkonzerts mit über 370.000 Euro an den Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten am Bauwerk und den kostbaren Malereien. Die dringend notwendige Konservierung und Restaurierung der Wand- und Gewölbemalereien begann im Folgejahr. Lose Mörtelpartien mussten hinterspritzt, sich ablösende Malschichten gefestigt werden. Außerdem war die Entfernung von schadensträchtigen Überzügen und Verschmutzungen erforderlich. Am 1. Februar 2013 wurde der Innenraum der Kapelle wieder eingeweiht.

Die Stiftung beteiligte sich auch an den Zimmermannsarbeiten im Dachraum. Fehlende Balken wurden sehr exakt eingefügt und die Stabilität des stark beeinträchtigten Dachstuhles wiederhergestellt. Das Dach erhielt eine neue Dachdeckung. Zeitgleich legte man die Fassaden außen komplett frei, so dass sie ausreichend dokumentiert werden konnten. Hier setzten die Handwerker bereits eingefärbten trockengelöschten Kalkmörtel ein, der dann mit einer Schlämme im endgültigen ockerfarbenen Ton gestrichen wurde. Man verließ sich also nicht auf vorgefertigte Putz- bzw. Mörtel, sondern hat die historische Struktur und Textur des Putzes nach alten traditionellen Rezepturen wieder hergestellt. Im letzten Bauabschnitt konnte die Kirchengemeinde 2014 das Turmfundament und die Umfassungsmauern fertigstellen.
 
 

Neuzugang bei den Rotschulter-Rüsselhündchen in der Wilhelma
Rüsselhündchen © Foto: Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann
 
Neuzugang bei den Rotschulter-Rüsselhündchen in der Wilhelma
Ein Partner für das Rüsselhündchen

Im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart sind ab sofort zwei Rüsselhündchen zu beobachten: Nachdem bereits im April 2025 ein weibliches Tier in das Haus für Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren (KVI) eingezogen ist, kam Ende Oktober ein männlicher Artgenosse dazu. Beide Rüsselhündchen stammen als Nachzuchten aus anderen zoologischen Gärten. In der Wilhelma sind sie in getrennten, direkt aneinander angrenzenden Gehegebereichen untergebracht, die aber miteinander verbunden werden können. Andreas Frei, Kurator im KVI, erläutert: „Rüsselhündchen gelten als monogam. Dennoch leben sie in der Regel einzelgängerisch und suchen nur zur Paarung die Nähe ihres Partners. Auch bei den Haltungsbedingungen in menschlicher Obhut müssen wir dieses Verhalten berücksichtigen.“

Das auffälligste Merkmal der Rüsselhündchen ist ihre lange, rüsselartig geformte Nase. Sie hilft ihnen dabei, Insekten im Waldboden aufzustöbern. Es handelt sich bei Rüsselhündchen um tagaktive, aber in der Natur dennoch sehr heimliche Tiere. Trotz ihres Namens haben sie nichts mit Hunden gemeinsam, sondern gehören zur Ordnung der Rüsselspringer, die weitläufig mit Elefanten, Seekühen und Klippschliefern verwandt sind.

Die ursprüngliche Heimat des Rotschulter-Rüsselhündchens sind die Küstenwälder Ostafrikas im südlichen Kenia und nördlichen Tansania. Einst war fast das komplette Hinterland der ostafrikanischen Küste bewaldet – heute ist ein Großteil dieses Lebensraums, in welchem zahlreiche endemische Arten zuhause sind, durch landwirtschaftliche Nutzung, Holzeinschlag und Holzkohlegewinnung zerstört. In geeigneten und geschützten Habitaten gilt das Rotschulter-Rüsselhündchen noch als relativ häufig und wird darum von der Weltnaturschutzunion IUCN bislang als ungefährdet eingestuft.

Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin ergänzt: „Die Gefährdungseinstufung einer Art auf der Roten Liste der IUCN ist immer eine Momentaufnahme, die aber fortlaufend aktualisiert wird. Noch gilt das Rotschulter-Rüsselhündchen nicht als akut gefährdet. Aber wer weiß, wie lange noch? Schon von Natur aus ist das Verbreitungsgebiet der Art relativ klein. Aufgrund von Lebensraumverlust ist der Gesamtbestand bereits in viele voneinander isolierte Teilpopulation zersplittert. Das Beispiel zeigt, warum es wichtig ist, dass Zoos auch die Verantwortung für Arten übernehmen, die noch nicht gefährdet sind.“

zum Bild oben:
Ende Oktober ist ein männliches Rüsselhündchen in der Wilhelma eingezogen.
© Foto: Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann
 
 



Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 
ecotrinova.gif
4

Copyright 2010 - 2026 B. Jäger