Erhaltungszuchtprogramm empfiehlt Wechsel / Zweites junges MĂ€nnchen kommt hinzu
EisbĂ€r MiKa hat den Zoo Karlsruhe verlassen und lebt kĂŒnftig im tschechischen Brno. Der Wechsel wurde vom EuropĂ€ischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) der EuropĂ€ischen Zoovereinigung EAZA empfohlen. Im EEP wird koordiniert, welche Tiere in den Zoos zusammenleben und welche Tiere wann eine Zuchtempfehlung erhalten.
âMiKa steht fĂŒr einen besonderen Erfolg, der mich sehr bewegt. Nach so vielen Jahren gab es wieder EisbĂ€rennachwuchs in Karlsruhe, und wir durften seine Entwicklung von den ersten Tagen an begleitenâ, sagt Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt. âGleichzeitig ist der Umzug ein wichtiger nĂ€chster Schritt fĂŒr MiKa und Teil der langfristig koordinierten ZuchtbemĂŒhungen, die fĂŒr den Erhalt einer genetisch möglichst vielfĂ€ltigen Reservepopulation wichtig ist.â
Im Zoo Brno leben derzeit fĂŒnf EisbĂ€renweibchen. Anna und Elsa wurden 2019 in Bremerhaven geboren und sollen im kommenden Jahr in den Zoo Berlin wechseln. Nivi und Anori kamen 2021 im Skandinavisk Dyrepark in DĂ€nemark zur Welt. Die Ă€lteste Bewohnerin ist Kora, die 1998 in Sankt Petersburg geboren wurde. Ein weiteres MĂ€nnchen, etwa im gleichen Alter wie MiKa, wird noch folgen. Bis die beiden jungen BĂ€ren geschlechtsreif sind und fĂŒr die Zucht infrage kommen, sollen sie gemeinsam in einer Junggesellengruppe leben.
âAuch uns im Zoo fĂ€llt der Abschied von einem so besonderen Tier schwer. Dennoch freuen wir uns sehr, dass MiKa in eine so gute Einrichtung umziehen darf. Der Zoo Brno verfĂŒgt ĂŒber zwei sehr gute und groĂe EisbĂ€renanlagen und bietet ihm damit beste Voraussetzungen fĂŒr diesen nĂ€chsten Lebensabschnittâ, betont Kuratorin Claudia Vollhardt.
Von einer schwierigen Geburt zum krÀftigen JungbÀren
Am 2. November 2024 kam MiKa als eines von zwei Jungtieren des EisbĂ€rweibchens Nuka zur Welt. Die Geburt war entgegen der Erwartung nicht im Innenbereich, sondern in einer Halbhöhle auf der AuĂenanlage. Dort wurden die Ăberlebenschancen des Nachwuchses zunĂ€chst als sehr gering eingeschĂ€tzt. In den ersten Tagen war schlieĂlich nur noch ein Jungtier zu hören. Das zweite Jungtier ĂŒberlebte vermutlich den ersten Tag nicht.
Im Januar 2025 konnte das Jungtier erstmals nach der Geburt wieder gesehen und fotografiert werden. Ende Januar wechselten Nuka und MiKa in den Innenbereich. Bei einer ersten tierĂ€rztlichen Untersuchung Anfang Februar bestĂ€tigte sich, dass MiKa ein gesundes und krĂ€ftiges MĂ€nnchen war. Ab MĂ€rz konnten ZoogĂ€ste ihn unter besonderen SchutzmaĂnahmen beobachten.
In den folgenden Monaten erkundete MiKa zunĂ€chst die kleine, dann die groĂe Anlage, schwamm und spielte. Seitdem ist er zu einem stattlichen BĂ€ren herangewachsen. Zu seinem zweiten Geburtstag am vergangenen Montag brachte er bereits 257 Kilogramm auf die Waage und war damit 17 Kilogramm schwerer als Nuka.
Langfristige Planung fĂŒr den Artenschutz
Das EEP betrachtet die EisbÀrenhaltung in europÀischen Zoos langfristig. Speziell bei Zuchtempfehlungen spielen unter anderem die genetische Vielfalt, die Zusammensetzung der Population und geeignete HaltungsplÀtze eine Rolle. Mit zwei Jahren ist MiKa nun auch alt genug, um in eine andere zoologische Einrichtung umzuziehen. Der Ablösungsprozess von Nuka war bereits in vollem Gang.
Der EisbĂ€r ist auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als âgefĂ€hrdetâ eingestuft. Der Klimawandel und der RĂŒckgang des arktischen Meereises bedrohen seinen Lebensraum. Eine genetisch möglichst vielfĂ€ltige Reservepopulation in menschlicher Obhut trĂ€gt dazu bei, die Art langfristig zu erhalten. Auch wenn Auswilderungen aktuell wegen des schwindenden Lebensraums wenig sinnvoll wĂ€ren, könnten sie in einigen Jahrzehnten bei geeigneten Bedingungen durchaus zur StĂŒtzung wildlebender BestĂ€nde beitragen.
Zugleich ermöglichen EisbĂ€ren in Zoos, Menschen fĂŒr die Tiere und die VerĂ€nderungen in der Arktis zu sensibilisieren. Sie sind wichtige Klimabotschafter und bieten AnknĂŒpfungspunkte fĂŒr die Bildungsarbeit des Zoos. Karlsruhe verbindet die Haltung und Zucht von EisbĂ€ren mit Engagement fĂŒr ihren Schutz in der Natur. Der Zoo unterstĂŒtzt die Organisation Polar Bears International (PBI), die sich fĂŒr die Erforschung und den Schutz wildlebender EisbĂ€ren und ihres Lebensraums einsetzt. Der One Plan Approach der Weltnaturschutzunion IUCN verbindet MaĂnahmen fĂŒr Tiere in menschlicher Obhut mit dem Schutz ihrer Artgenossen und LebensrĂ€ume in der Natur. Die koordinierte Erhaltungszucht im EEP und die UnterstĂŒtzung von PBI sind unterschiedliche BeitrĂ€ge des Zoos zu diesem umfassenden Artenschutzansatz.
zum Bild oben:
Viele ZoogĂ€ste haben seine Entwicklung seit seiner Geburt in Karlsruhe begleitet. Nun beginnt fĂŒr den zweijĂ€hrigen BĂ€ren MiKa im Zoo Brno ein neuer Lebensabschnitt.
© Timo Deible/Zoo Karlsruhe |