Die Doppelgesichtigkeit ist in Süddeutschland eine Seltenheit und bei einer Brunnenfigur einmalig
Bei einem Pressetermin am Donnerstag, den 1. Oktober 2026 um 11.00 Uhr überbringt Dr. Fritz Fischer, Ortskurator Stuttgart der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), dank zahlreicher Spenden der Sammartin Kulturstiftung sowie der Erträge der Lotterie GlücksSpirale einen symbolischen Fördervertrag über 50.000 Euro für Metallrestaurierungsarbeiten am Marienbrunnen in Schwäbisch Gmünd im Beisein von Bärbel Rankl von Lotto Baden-Württemberg an Oberbürgermeister Richard Arnold. Der achteckige gusseiserne Marienbrunnen auf dem Marktplatz ist ein wesentliches Gestaltungselement der Schwäbisch Gmünder Stadtszenerie.
Der Brunnen setzt sich aus drei Elementen zusammen. Grundelement ist der mit Wappen geschmückte Brunnenkasten, der 1776 aufgestellt wurde. Er ist ein Nachfolger des wesentlich älteren, vermutlich steinernen Lauf- oder Stockbrunnens, der bereits 1572 auf der von Balthasar Rieger angefertigten Pirschkarte in gemalter Form abgebildet ist. Die Wappen lassen Schlüsse auf die Stifter zu, es handelt sich um Angehörige des einstigen Stadtregiments.
Bei der umfassenden Sanierung 1983 stellte sich heraus, dass die Brunnensäule so schwer beschädigt war, dass sie durch eine originalgetreue Kopie ersetzt werden musste. Im Zuge dieser Untersuchungen ließ sich die Balustersäule in Renaissance-Formen der Zeit zwischen 1580 und 1600 sowie dem Baumeister und Steinmetz Kaspar Vogt dem Älteren zuschreiben.
Die Brunnensäule wird gekrönt vom kunst- und kulturhistorischen bedeutendsten Bestandteil des Brunnens, einer steinernen Doppelstatue Mariens, der Schutzpatronin der ehemaligen freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Aufgrund von Besonderheiten, die Platzierung auf dem Stock eines öffentlichen Brunnens sowie die Körper- und Gewandbehandlung der Plastik, ermöglichen sie eine zeitliche Einordnung, der zufolge die Marienstatue bereits für den im 16. Jahrhundert aufgestellten Brunnen gearbeitet wurde.
Die beiden Mariendarstellungsformen stellen einerseits die Himmelskönigin und andererseits eine Immaculata dar. Die Darstellung als Himmelskönigin ist in Süddeutschland ungewöhnlich. Auch die Doppelgesichtigkeit ist eine Seltenheit und bei einer Brunnenfigur sogar einmalig.
Der Marienbrunnen gehört nunmehr zu den über 440 Denkmalen, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale allein in Baden-Württemberg fördern konnte. |