Jugendstilbau mit historischer Innenausstattung aus den Jahren 1908/1910
Bei einem Pressetermin vor Ort am Dienstag, den 15. September 2026 um 11.00 Uhr überbringt Dr. Andrea Kluxen, Ortskuratorin Nürnberg der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), einen symbolischen Fördervertrag in Höhe von 64.480 Euro an die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg. Die Förderung dient restauratorischen Arbeiten an der Aussegnungshalle des Jüdischen Friedhofs an der Schnieglingerstraße 155 in 90425 in Nürnberg, an einer Musterfläche als Grundlage für die weitere Restaurierung der historischen Wandmalereien. Die Förderung erfolgt aus zweckgebundenen Spenden.
Die Aussegnungshalle bildet das Zentrum des denkmalgeschützten Israelitischen Friedhofs in Nürnberg. Der Friedhof wurde ab 1905 angelegt, die Trauerhalle entstand 1908/1910 nach Plänen des Architekten Emil Hecht. Der großzügige Bau mit seiner charakteristischen Jugendstilgestaltung dient bis heute seiner ursprünglichen Funktion und prägt das Ensemble des Friedhofs wesentlich.
Besondere Bedeutung kommt dem reich ausgestatteten Innenraum zu. Nach aktuellem Forschungsstand stammen die Wandmalereien von dem Jugendstil-Künstler Friedrich Adler. Die bauzeitliche Ausmalung hat sich ebenso wie wesentliche Teile der historischen Ausstattung bemerkenswert vollständig erhalten. Auch der historische Fliesenboden, Fenster und Türen sind noch weitgehend original vorhanden. Die nun geförderten restauratorischen Untersuchungen und Musterarbeiten dienen dazu, die historischen Oberflächen fachgerecht zu dokumentieren und die Grundlage für weitere Erhaltungsmaßnahmen zu schaffen.
Der Israelitische Friedhof ist als Einzeldenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Die denkmalrechtliche Würdigung hebt die dreiflügelige Anlage mit ihren verputzten Massivbauten, den Jugendstilformen sowie den zeitgleich entstandenen Wandmalereien hervor. Die Aussegnungshalle dokumentiert damit eindrucksvoll die jüdische Begräbniskultur des frühen 20. Jahrhunderts in Nürnberg.
Der Jüdische Friedhof gehört nunmehr zu den über 680 Denkmalen, die die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz dank Spenden und Mittel der GlücksSpirale, der Soziallotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte. |