Geplant ist ein Lernort zur Vermittlung jüdischer Geschichte und Kultur
Für die notwendige Bauforschung an der ehemaligen Synagoge in Neidenstein stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank zahlreicher Spenden sowie der Erträge der Lotterie GlücksSpirale 14.000 Euro zur Verfügung. Den dazugehörigen Fördervertrag überbringt bei einem Pressetermin vor Ort am Donnerstag, den 27. August 2026 um 14.00 Uhr Bernd Müller, Ortskurator Heidelberg der DSD, im Beisein von Bürgermeister Frank Gobernatz und Petra Görlach von Lotto Baden-Württemberg an Dr. Hans-Peter Gruber für die Fördergemeinschaft ehem. Synagoge Neidenstein e.V.
Anfang 1831 wurde am Ort des abgerissenen Vorgänger-Gotteshauses mit dem Bau der neuen Synagoge im damals vorherrschenden Rundbogenstil begonnen. Sie sollte eine der größten Landsynagogen Badens werden. Zum hundertjährigen Jubiläum konnte für Sanierungsarbeiten der renommierte Architekt Siegfried Seidemann gewonnen werden, der auch die Hauptsynagoge in Heidelberg renoviert hatte.
Bei den Novemberpogromen wurden am 10. November 2938 die Inneneinrichtung und Teile der Decke der Neidensteiner Synagoge zerstört, das Inventar geraubt und vernichtet. Am 20. Januar 1939 verkaufte die jüdische Gemeinde das schwer geschädigte Gebäude an einen Landwirt, der es anschließend als Schweinestall, Scheune und Lager nutzte. Die mit Thermenfenster und Portikus gestaltete Hauptfassade wurde abgebrochen, um - direkt über der Mikwe - einem Misthaufen und einer Jauchegrube Platz zu schaffen. Die restlichen Umfassungsmauern blieben erhalten und wurden als Stall und Scheune ausgebaut.
Durch den Abriss und den Rückbau des ehemaligen Vorraumes wurde auch der Zugang zu der sich darunter befindlichen Mikwe beseitigt. Um die Mikwe als Misthaufenanlage zu nutzen, wurde eine ausbetonierte Vertiefung ins Erdreich eingelassen. Dafür wurde die Decke der Mikwe abgetragen. Das ehemalige Ritualbad befand sich deutlich unterhalb des Bodens dieser ausbetonierten Vertiefung. Der Umfang von eventuell erhaltener Bausubstanz bzw. das weitere Ausmaß der Schäden wird sich erst in Folge der geplanten Maßnahme zeigen. Mit ihr lassen sich möglicherweise auch größere Reste der ursprünglichen Bausubstanz aufspüren.
Mikwen sind in der jüdischen Religionsausübung von hoher Bedeutung. Allein dadurch kommt diesen Orten ein hoher Denkmalwert zu. Die Mikwe in Neidenstein ist zudem besonders bedeutungsvoll bei der künftigen Nutzung der ehemaligen Synagoge als Lernort zur Vermittlung jüdischer Geschichte und Kultur. Sie besitzt eine zentrale Rolle, um die Strukturen und Funktionsweise einer jüdischen Gemeinde aufzuzeigen. Eingebettet in einen größeren historischen Kontext und mit den Spuren ihrer deutlich sichtbaren zweckentfremdenden Schändung illustriert die Mikwe zusammen mit der Synagoge die jüdische Ortsgeschichte Neidensteins bis zu ihrem gewaltsamen Ende.
Die ehemalige Synagoge gehört nunmehr zu den über 440 Denkmalen, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale allein in Baden-Württemberg fördern konnte. |