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Mittwoch, 12. August 2026
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Ehemaliger Siechhof in Eichstätt erhält Hilfe für Notsicherung der Kapelle
Eichstätt: ehem. Siechhof Eichstätt (C) DSD / Guido Siebert
 
Ehemaliger Siechhof in Eichstätt erhält Hilfe für Notsicherung der Kapelle
Gebäude muss dringend stabilisiert werden

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt die Notsicherung der ehemaligen Kapelle des Siechhofs in Eichstätt mit 50.000 Euro. Der Fördervertrag wurde am Dienstag, den 11. August 2026 um 10.00 Uhr von Alexander Ruthardt vom DSD-Ortskuratorium Fränkische Stadtbaumeister an Eigentümer Marc Liebermann überreicht. Möglich ist die Unterstützung dank privater Spenden an die DSD und Erträge der Lotterie GlücksSpirale.

Die Förderung kommt der Notsicherung eines Teils der Außenwände der Kapelle durch Sicherungsarbeiten am Fundament sowie Maßnahmen zur Sicherung des Gewölbes zugute. Die DSD unterstützt den ehemaligen Siechhof bereits zum zweiten Mal. Im Vorjahr stellte sie 35.000 Euro für die Errichtung eines Schutzdaches über dem stark gefährdeten Leprosenhaus – hier wurden einst Menschen, die an der unheilbaren Haut- und Nervenkrankheit Lepra (Aussatz) erkrankt waren, isoliert – bereit. Das Schutzdach dient dem Erhalt der historischen Holzkonstruktion sowie wertvoller Ausstattungsreste und Malereien.

Der ehemalige Siechhof am Stadtrand von Eichstätt ist ein außergewöhnliches Denkmalensemble, dessen Ursprünge bis in das frühe 14. Jahrhundert zurückreichen. Der Siechhof wurde erstmals 1307 als „domum leprosorum“, also als Haus für Leprakranke, urkundlich erwähnt.

Die geschlossene Anlage besteht aus dem Leprosenhaus, dem Benefiziatenhaus, der heute profanierten Kapelle St. Lazarus und St. Magdalena sowie einem langgestreckten Wirtschaftsgebäude. Besonders bemerkenswert ist die bis heute erhaltene Geschlossenheit des Ensembles. Der Eichstätter Siechhof gilt als einzige komplett erhaltene spätmittelalterliche Anlage eines Leprosoriums und ist deshalb als Baudenkmal von nationalem Rang eingestuft.

Die Kapelle präsentiert sich in ihrer Gestalt des 17. Jahrhunderts als Saalbau mit eingezogenem Altarraum, also einem Altarraum der schmaler ist als das Hauptschiff, und Kreuzgewölbe und ist mit Schmuckgiebeln versehen. Im Inneren haben sich Fragmente von Malereien aus der Erbauungszeit erhalten. Diese sind durch statische Schäden und eindringende Feuchtigkeit gefährdet. Die Außen- und Innenwände weisen Verformungen und Setzungen auf, Schäden an Dach und Mauerwerk bedrohen die Substanz zusätzlich. Deshalb sind die nun vorgesehenen Arbeiten an der Kapelle enorm wichtig.

Das benachbarte Leprosenhaus ist eines der wenigen erhaltenen Jurahäuser des späten Mittelalters. Diese historischen, regionaltypischen Häuser sind durch Massivbauweise aus Bruchsteinen, kleine Fenster und flach geneigte Dächer, die traditionell mit mehrschichtigen Kalkplatten (Legschiefer) gedeckt wurden, charakterisiert. Die historische Dachkonstruktion, Wandmalereien und weitere originale Bauteile konnten durch umfangreiche Notsicherungen bislang vor dem Verlust bewahrt werden.

Langfristig soll die leerstehende Anlage wiederbelebt werden. Vorgesehen sind Wohnraum und kulturelle Nutzungen der ehemaligen Kapelle.

Der ehemalige Siechhof in Eichstätt ist eines der mehr als 680 Denkmale, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale bisher allein in Bayern fördern konnte.
 
Eintrag vom: 12.08.2026  




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