Acht MaĂźnahmen zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt auf den Weg gebracht
Um Frauen, Kinder und andere von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffene Menschen zu schützen, bleibt auch im Jahr 2026 noch vieles zu tun. Vor acht Jahren trat in Deutschland die Istanbul-Konvention in Kraft, mit der sich die Länder Europas verpflichten, geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt zu bekämpfen. Noch immer sind nicht alle Forderungen umgesetzt – noch immer gehört für viele Frauen, Kinder sowie für queere Personen psychische und körperliche Gewalt zum traurigen Alltag. Gewaltschutz ist nicht nur Sache von Bund und Land, auch die Städte und Gemeinden tragen Verantwortung. Um auf kommunaler Ebene die Umsetzung der Istanbul-Konvention voranzutreiben, hat der Freiburger Gemeinderat im Februar 2025 einen Aktionsplan beschlossen. Alle acht in einem großen Beteiligungsprozess entwickelten Maßnahmen sind mittlerweile angelaufen.
1. StoP-Stadtteile ohne Partnergewalt in Freiburg Weingarten
„StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ basiert auf einem deutschlandweit bekannten Konzept, das 2010 in Hamburg gestartet ist. Ehrenamtliche engagieren sich im Quartier durch öffentlichkeitswirksame Aktionen gegen Gewalt. Alle Menschen im Stadtteil sollen zu häuslicher Gewalt sowie über Handlungsmöglichkeiten und konkrete Hilfen informiert sein. Dadurch können Betroffene in der Nachbarschaft leichter Unterstützung finden. Das StoP-Projekt in Freiburg Weingarten hat mittlerweile an Sichtbarkeit und Akzeptanz gewonnen. Die monatlichen Treffen einer engagierten, stetig wachsenden Gruppe Ehrenamtlicher ermöglichen es, konkrete Aktionen gegen Partnergewalt umzusetzen. Dabei arbeitet das Forum Weingarten eng mit FRIG, der Fachstelle Intervention gegen häusliche Gewalt, zusammen.
2. Ausbau Jungenarbeit mit dem Schwerpunkt Gewaltprävention
Bei der sozialpädagogischen Arbeit mit Jungen* und jungen Männern* geht es darum, diese zu ermutigen und zu unterstützen, Geschlechterrollen zu reflektieren – aber auch darum, herauszufinden, was ihre Bedürfnisse als Jungen* sind. Im Juli 2026 findet eine Kick-off-Veranstaltung der AG Jungen* für Fachkräfte aus allen Bereichen der Arbeit mit Jungen* statt. Das Jugendhilfswerk (JHW) fungiert als neue zentrale Anlaufstelle in Freiburg sowohl für Fachkräfte, die sich mit Jungen*arbeit befassen, als auch für männliche* Jugendliche und ihre Familien.
3. Pugs+: Prävention von häuslicher und sexualisierter Gewalt
Wendepunkt und Pro Familia haben ihr lokal etabliertes Präventionsprogramm Pugs in Kindertageseinrichtungen in Kooperation mit FRIG um das Thema häusliche Gewalt erweitert. Das neue Pugs+ wird aktuell in einem städtischen Kinderhaus erprobt, wo die bisherigen Fortbildungen gut angenommen wurden. Ab Juni können mehrere Einrichtungen von dem neuen Programm profitieren. Es richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Eltern und Kinder.
4. Aufbau Kompetenz- und Fortbildungsstelle zum Gewaltschutz
Schulungen und Austauschformate zu geschlechtsspezifischer Gewalt sind in Fachkreisen stark nachgefragt, so dass dafür eine Kompetenz- und Fortbildungsstelle bei FRIG eingerichtet wurde. Ein Kick-Off mit Fachstellen fand bereits im Oktober 2025 statt. Ab September 2026 wird mit dem ersten Modul für eine zertifizierte Weiterbildung gestartet. Außerdem sind zukünftig auch einzelne Veranstaltungen für Fachkräfte und die Stadtbevölkerung geplant.
5. Fachtage und Dialogforen
Im Herbst 2025 fand eine zweitägige Fachtagung „Gewaltbetroffene Frauen – Hilfe, Unterstützung und Handlungssicherheit für Gesundheitswesen, Polizei und Rechtsexpert*innen“ mit 450 Teilnehmenden in Zusammenarbeit mit FRIG, und Frauenhorizonte gegen sexuelle Gewalt statt. Für Oktober 2026 ist eine Dialogveranstaltung zu Möglichkeiten der Öffentlichkeits- und Zusammenarbeit für das stetig wachsende lokale Netzwerk geplant.
6. Schulaktionstag gegen Gewalt
Für den 21. Juli ist im Europa-Park Stadion in Zusammenarbeit mit dem SC Freiburg ein großer Schulaktionstag gegen Gewalt – für mehr Respekt und Schutz mit über 20 Workshopformaten geplant, bei dem sich Lehrkräfte und 450 Schüler*innen mit geschlechtsspezifischer Gewalt auseinandersetzen. Viele lokale Akteur*innen, aber auch externe Referent*innen arbeiten bei diesem Projekt mit. Der Bildungsträger Inbewe koordiniert das Projekt im Auftrag der Stadt.
7. Ausbau Täter*innenarbeit – Erweiterung auf Stalking und sexualisierte Gewalt sowie proaktiver Ansatz
Seit Januar 2026 bietet die psychosoziale Beratungsstelle „Spurwechsel“ des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege (www.spurwechsel-freiburg.de) niederschwellige Täter*innenarbeit im Bereich sexualisierte Gewalt und Stalking an. Beratungsinhalte sind bewusst zukunftsorientiert ausgerichtet und unterliegen der Schweigepflicht. Sie zielen darauf ab, tragfähige
Perspektiven, stabile Bewältigungsstrategien und erfüllende Lebensbezüge zu entwickeln, damit Täter*innen nicht mehr auf Kontrolle, Grenzüberschreitungen und andere destruktive Beziehungsmuster zurückgreifen. Damit soll weiteres Leid für Betroffene von Stalking und sexualisierter Gewalt vermieden und die erwachsenen Täter*innen auf dem Weg in ein respektvolles und gewaltfreies Leben unterstützt werden. Bereits seit 2019 gibt es zudem ein Anti-Gewalt-Training (www.gegen-gewalt-taetig) – ebenfalls ein Angebot des Bezirksvereins. Dieses wurde um einen
proaktiven Ansatz erweitert: Ziel ist, dass Fälle von der Polizei zeitnah an Täterarbeitseinrichtungen vermittelt werden, um noch mehr Täter*innen zur Verhaltensänderung motivieren zu können.
8. Kampagne
Um all diese MaĂźnahmen und BemĂĽhungen sichtbar zu machen, die Zivilgesellschaft zu erreichen, aber auch Betroffenen eine Stimme zu geben, startet im Sommer eine kommunale Kampagne mit zahlreichen Aktionen gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
Für die Umsetzung der acht Maßnahmen des Aktionsplans hat der Gemeinderat im aktuellen Doppelhaushalt Mittel bereitgestellt. Zusätzlich erhält das Vorhaben finanzielle Unterstützung durch die Mekriba Stiftung. Sie fördert Projekte zur Unterstützung von Betroffenen und engagiert sich in der Prävention sexualisierter Gewalt, um eine gewaltfreie, gerechte und sichere Gesellschaft zu stärken.
Nicht nur Bund und Land, auch die Kommunen sind zur Umsetzung der Istanbul-Konvention seit 2018 in Deutschland gesetzlich verpflichtet. Gewaltschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Angesichts jüngster Enthüllungen ist das Thema aktueller denn je. Organisationen, die dem Netzwerk noch nicht angehören, die die Stadt aber auf ihre Weise bei der Umsetzung unterstützen möchten, können sich mit der Koordinationsstelle Istanbul-Konvention in Verbindung setzen (per Mail an istanbul-konvention@freiburg.de oder telefonisch unter 761 201-1720). Nur gemeinsam gelingt es, ein starkes Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Mehr Informationen gibt es unter www.freiburg.de/istanbulkonvention. |