Menschen helfen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst klären können
Eigenbestimmt in der Selbständigkeit: Stadt begleitet den Weg dorthin
Rechnungen durchschauen, Anträge ausfüllen, Verträge abschließen: Wer das nicht mehr selbst machen kann – aufgrund einer diagnostizierten Erkrankung oder Behinderung – und volljährig ist, hat Anspruch auf eine rechtliche Betreuungsperson. Ein Gros dieser Betreuungen im Stadtgebiet übernehmen Berufsbetreuer*innen, die sich um viele Menschen gleichzeitig kümmern. Das Problem: Es gibt immer weniger Betreuer*innen und sie haben ein hohes Durchschnittsalter. Sie müssen irgendwann ihr Arbeitspensum reduzieren. Daher werden weitere Berufsbetreuer*innen gesucht; die Stadtverwaltung berät und unterstützt sie dabei, ihnen den Einstieg in diese Tätigkeit zu erleichtern.
In Freiburg werden laut der Betreuungsbehörde ca. 3200 Menschen unterstützt. Fast zwei Drittel der Betreuungen werden beruflich geführt (ca. 2200). Etwa 60 Prozent dieser beruflichen Betreuungen (ca. 1600) machen Berufsbetreuer*innen aus, die in Freiburg ihren Büro- oder Wohnsitz haben. Das sind 90 Personen. Sie helfen psychisch kranken und Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen, die ihre Angelegenheiten nicht (mehr) selbst regeln können.
Im Durchschnitt übernimmt jede*r dieser 90 Selbständigen 17 Betreuungen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Während die meisten 20- bis 50-jährigen diesen Job „nur“ nebenberuflich machen, arbeiten vor allem Menschen über 60 Jahre in Vollzeit und übernehmen somit einen Großteil der Betreuungen – ca. 940 an der Zahl.
Denn nicht nur der demografische Wandel führt zu mehr Betreuungen, auch die älteren Betreuenden werden mit der Zeit Arbeit abgeben oder ganz aufhören müssen. Auch wenn es Ehrenamtliche und Angehörige gibt, die sich um bedürftige Menschen kümmern, braucht es weiterhin Berufsbetreuer*innen: Denn manchmal überfordern komplexe Problemlagen und krankheitsbeeinflusste Verhaltensweisen der betroffenen Menschen ungeschulte Leute. Diese härteren Fälle übernehmen die Profis, die dafür speziell aus- und fortgebildet sind. Sie kennen sich nicht nur rechtlich aus, sondern können auch gut mit unterschiedlichen Menschen reden und einfühlsam sein.
Rechtliche Betreuung ist ein vielfältiger, spannender Beruf im Zentrum der Gesellschaft. Berufsbetreuer*innen können ihren Arbeitsalltag eigenverantwortlich und abwechslungsreich gestalten. Außerdem bekommen sie einen gesamtheitlichen Blick auf viele Fragestellungen, die im Laufe eines Lebens auftreten können. Die notwendigen Voraussetzungen für diese Tätigkeit bringen Sozialarbeiter*innen und Jurist*innen mit. Quereinsteiger*innen sind aber ebenfalls willkommen. Allerdings müssen sie durch Fortbildungen und Seminare Sachkunde erwerben, welche sie selbst bezahlen müssen.
Interessierten bietet die städtische Betreuungsbehörde kostenlose Beratungsgespräche für den Weg in die Selbständigkeit als Berufsbetreuer*in an. Einsteiger*innen sowie Erfahrene können sich jederzeit an die Behörde wenden, wenn es Fragen zu konkreten Fällen gibt. Außerdem bietet sie monatlich stattfindende Mentoring-Programme an. Dort können Betreuer*innen untereinander Fragen klären und sich weiter vernetzen. Wer sich genauer informieren möchte, kann sich per E-Mail an susanne.plau@freiburg.de wenden oder telefonisch an 0761 201-3740.
Rechtliche Betreuung ist keine soziale, pflegerische oder gesundheitliche Versorgung. Sie trat 1992 an die Stelle der früheren „Vormundschaft“ über Volljährige und ist auf die genannten Aufgabenbereiche beschränkt. |