Drei Tage polnische Filmkunst, Kultur, Geschichte und Begegnungen im deutsch-polnischen Dialog
Ort: Kommunales Kino, Urachstr. 40, 79102 Freiburg im Breisgau
Termin: 6.–8. Februar 2026
Konzept und kuratorische Leitung: Verein Polki Solidarnie – Polnische Frauen Solidarisch e.V.
Drei Tage polnische Filmkunst eröffnen einen lebendigen Dialog zwischen Film, Geschichte, Kultur und gesellschaftlichen Fragestellungen. Die ausgewählten Werke blicken dabei nicht nur auf die Vergangenheit zurück, sondern verhandeln Themen von brennender Aktualität – insbesondere Frauenrechte, Gleichberechtigung, Migration und die Suche nach Identität. Vor dem Hintergrund gegenwärtiger politischer Entwicklungen und dem Erstarken rechtskonservativer sowie nationalistischer Strömungen wird deutlich, dass Freiheit und Gleichstellung keine Selbstverständlichkeiten sind.
An drei Festivaltagen führen die Filme eindrücklich vor Augen, dass gesellschaftliche, politische und persönliche Freiheit niemals selbstverständlich ist. Sie nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch Jahrzehnte polnischer und europäischer Identitätsgeschichte, erzählt aus der Perspektive des Autorenkinos und getragen von mutigen Geschichten über Aufbruch, den Kampf um Demokratie und Frauenrechte, über Erinnerung, Überleben und tiefgreifenden Wandel.
Zu Festivalbeginn wirft das Festival einem besonderen Fokus auf das Lebenswerk von Andrzej Wajda und das zeitgenössische polnische Kino. Den Auftakt macht Wajdas Klassiker ZIEMIA OBIECANA (DAS GELOBTE LAND) von 1975, ein episches Gesellschaftspanorama über Freundschaft, Moral und wirtschaftlichen Aufstieg in der Industriestadt Łódź. Im Anschluss feiern wir mit einer Vernissage der Ausstellung der Plakate zu den Filmen von Andrzej Wajda aus der Sammlung des Museums des Filmes Kinematographie in Łódź die Festivaleröffnung. Den Abend schließen wir mit einer starken weiblichen Stimme: IMAGO (2023) von Olga Chajdas, ein post-punkiger Hymnus über die Suche nach eigener Identität, Freiheit und Selbstbestimmung in der alternativen Szene des späten 1980er-Jahre der Dreistadt (Trójmiasto).
Der Samstag steht im Zeichen der Reflexion, des Gedenkens und der weiblichen Perspektiven. Den Auftakt bildet das Panel „Zwischen Emanzipation und Tradition: Feminismus in Deutschland und Polen“, in dem historische und zeitgenössische Aspekte feministischer Bewegungen diskutiert werden. Anschließend werden außergewöhnliche Frauen gefeiert, die Grenzen gesprengt haben: SIMONA KOSSAK erzählt die Biografie der Wissenschaftlerin und Rebellin Simona Kossak, während WANDA RUTKIEWICZ: THE LAST EXPEDITION die legendäre Bergsteigerin auf ihrem Weg zu den höchsten Gipfeln begleitet. Den Abschluss bildet SOLIDARNOŚĆ WEDŁUG KOBIET – DIE FRAUEN DER SOLIDARNOŚĆ, eine eindrucksvolle Dokumentation über die bislang kaum erzählte Geschichte der Frauen in der polnischen Gewerkschaftsbewegung. Gespräche, Workshop und begleitende Veranstaltungen laden dazu ein, weibliche Perspektiven auf Geschichte, Gesellschaft, Feminismus und Selbstbestimmung zu erkunden.
Am Sonntag gibt es ein vielfältiges Programm: von Abenteuern für Kinder über persönliche Dokumentationen bis hin zu einem beeindruckenden Biopic. Den Auftakt macht O PSIE, KTÓRY JEŹDZIŁ KOLEJĄ 2 – LAMPO 2, begleitet von einem kreativen Workshop für Kinder. Anschließend eröffnet LISTY Z WILCZEJ – BRIEFE AUS DER WILCZA einen poetischen, humorvollen und nachdenklichen Blick auf das Leben in Warschaus Wilcza-Straße und die Suche nach Zugehörigkeit, menschlicher Nähe und gesellschaftlicher Teilhabe. Der Film wirft zentrale Fragen nach Identität, Heimat, Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Rassismus auf, zeigt aber auch, wie menschliche Nähe und Solidarität entstehen können. Das Festival findet seinen krönenden Abschluss mit Agnieszka Hollands Film FRANZ K., dem für Polen ins Oscar-Rennen eingesandten Biopic über Leben und Werk eines der bedeutendsten Literaten des 20. Jahrhunderts, Franz Kafka. Mit sinnlich-surrealistischen Bildern und einer beeindruckenden Mischung aus Realität, Fantasie und literarischer Inspiration rundet der Film das Festival gebührend ab.
Das Festival bietet ein inklusives Programm, in dem Teilnehmende aktiv eingebunden werden: Workshops, Panel und Diskussionen mit Filmemacher*innen ermöglichen den Austausch und das Einbringen eigener Perspektiven. Reflexion ist integraler Bestandteil des Festivals. Feedbackrunden, moderierte Nachbesprechungen und die Möglichkeit, Eindrücke oder kreative Reaktionen zu dokumentieren, fördern eine kritische Auseinandersetzung mit den Prozessen vor Ort. cinèPolska ist mehr als Film: Gespräche, Diskussionen, Ausstellung und Workshops schaffen einen Raum, in dem Kunstvermittlung, gesellschaftlicher Dialog, Feminismus, Identität und demokratische Werte aktiv erfahrbar werden. Die Veranstaltungen finden teilweise dreisprachig (Deutsch, Polnisch, Englisch) statt und werden simultan gedolmetscht, um größtmögliche Zugänglichkeit, Beteiligung und Teilhabe sicherzustellen. So wird das Festival zu einem Ort, an dem unterschiedliche Zielgruppen nicht nur zuschauen, sondern aktiv mitgestalten, reflektieren und voneinander lernen können.
In Kooperation mit dem Verein Polki Solidarnie – Polnische Frauen Solidarisch e.V.
Gefördert vom Kulturamt der Stadt Freiburg, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, dem Museum für Kinematographie in Łódź und der Sparkasse Freiburg. |