Die CDU-Fraktion bedauert den knappen Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats, das Anwohnerparken von bisher jĂ€hrlich 30 auf durchschnittlich 360 Euro zu erhöhen. Der OberbĂŒrgermeister lehnte eine niedrigere GebĂŒhr ab und hat mit dieser Nein-Stimme den Weg freigemacht fĂŒr die Maximalforderung im Gemeinderat.
Bernhard Rotzinger (mobilitĂ€tspolitischer Sprecher): âDer Gemeinderat ĂŒberzieht massiv die GebĂŒhrenschraube fĂŒr einen Teil der Freiburger Fahrzeughalter. Das ist absolut unverhĂ€ltnismĂ€Ăig und ungerecht.â Carolin Jenkner (Fraktionsvorsitzende): âDas Stimmverhalten des OberbĂŒrgermeisters ist ein deutliches Farbebekennen fĂŒr eine zwölfmal höhere Belastung fĂŒr viele Menschen in der Stadt.â
Bisher wurden Gebiete mit Parkraumbewirtschaftung eingerichtet, wenn der Parkdruck durch Pendler und Besucher so hoch war, dass Anwohner keine ParkplĂ€tze mehr gefunden haben. Also zu Gunsten der Bewohner. Jetzt sprechen die Mehrheitsfraktionen in einem Paradigmenwechsel von einer NutzungsgebĂŒhr fĂŒr den öffentlichen Raum, ohne erklĂ€ren zu können, warum diese nur die Bewohner in den bewirtschafteten Gebieten zu tragen haben. Also eine Regelung zu Lasten der Bewohner. Es ist daher schlicht vom Wohnort im Stadtgebiet abhĂ€ngig, ob jemand diese ĂŒberhöhten GebĂŒhren zahlen muss. Stadtrat Martin Kotterer hierzu: âDiese âGebĂŒhrenerhebung nach Zufallsprinzipâ ist grob ungerecht, denn wer seinen Wohnort in einem bewirtschafteten Gebiet hat, zahlt ab April nĂ€chsten Jahres eine erhebliche JahresgebĂŒhr fĂŒr eine Anwohnerparkberechtigung ohne garantierten freien Parkplatz im Wohnquartier.â
Unfair ist auch die Staffelung nach der FahrzeuglĂ€nge. Gerade Familien mit Kindern fahren oft gröĂere Fahrzeuge und mĂŒssen jetzt zum Beispiel fĂŒr einen VW Passat oder VW Sharan 480 Euro jĂ€hrlich bezahlen. Dagegen kostet ein Porsche 911 ânurâ 360 Euro. Aber auch der Kleinwagen ist mit 240 Euro und somit einer Erhöhung um das Achtfache dabei.
Rotzinger: âDamit wird das Wohnen in der Stadt mit einem weiteren betrĂ€chtlichen Kostenfaktor belegt, obwohl hier die Grenzen des Zumutbaren fĂŒr Normalverdiener ĂŒber die Wohnkosten schon erreicht oder ĂŒberschritten sind.â Die CDU hatte als Kompromiss eine fahrzeugunabhĂ€ngige GebĂŒhr von immerhin 120 Euro jĂ€hrlich beantragt. Da dieser Antrag keine Mehrheit fand, haben die CDU-StadtrĂ€te dem Vorschlag der Fraktionen SPD, FDP und Freien WĂ€hler um eine Erhöhung auf 180 Euro jĂ€hrlich und 360 Euro fĂŒr Wohnmobile zugestimmt, um Schlimmeres zu verhindern. Dieser Antrag wurde jedoch mit dem knappsten Stimmergebnis von 21:21 (bei zwei Enthaltungen) abgelehnt. Der OberbĂŒrgermeister hatte gegen diesen Antrag gestimmt. SchlieĂlich setzte sich der Antrag von GrĂŒnen, Teilen der Fraktion ESFA und der Fraktion JUPI (240/360/480 Euro) mit 22 Ja- gegen 21 Nein-Stimmen durch. Hier hatte sich der OB enthalten. Die Stadtverwaltung erwartet im Jahr 2023 aus diesem Beschluss Einnahmen in Höhe von 4,675 Millionen Euro. Darauf wollte man bei der Stadtspitze dann wohl doch nicht verzichten.
Im Antrag von GrĂŒnen, ESFA und JUPI wird die Verwaltung beauftragt, ein Staffelungsmodell zu erarbeiten, das auch andere Kriterien wie PS, Baujahr, CO2-Emmissionen und Ă€hnliches in Betracht zieht. Dies sind aus der Sicht der CDU keinesfalls sachgerechte Kriterien im Hinblick auf die Parkraumbewirtschaftung oder die Nutzung öffentlicher FlĂ€chen. Stadtrat Rotzinger: âHier kann man wieder den Ansatz der VergrĂ€mung von Autos aus der Stadt erkennen. Die Erhebung von Energieverbrauchs- oder Emissionssteuern ist eindeutig Bundesangelegenheit und keine kommunale Aufgabe.â
Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am vergangenen Dienstag mit knapper Mehrheit eine massive Erhöhung der AnwohnerparkgebĂŒhren ab April 2022 von bisher 30 Euro jĂ€hrlich auf durchschnittlich 360 Euro jĂ€hrlich beschlossen, eine Erhöhung um das Zwölffache. Bei einer FahrzeuglĂ€nge unter 4,21 Meter soll die GebĂŒhr 240,- Euro kosten, ĂŒber 4,70 Meter LĂ€nge 480 Euro (Faktor 16) jĂ€hrlich. Die Fraktionen der GrĂŒnen und JUPI haben geschlossen fĂŒr diese massive Erhöhung gestimmt, ebenso Teile der Fraktion ESFA.
Die GebĂŒhren fallen fĂŒr diejenigen Freiburger an, die eine Anwohnerparkberechtigung beantragen. Dies berechtigt aber keinesfalls fĂŒr einen festen Parkplatz, sondern lediglich zur Suche im Quartier. Die Ausweitung soll auch weiter erfolgen, in den Gebieten Herdern und Neuburg ist sie bereits diesen Dezember geplant. |