Prolixletter
Mittwoch, 20. Oktober 2021
  --- Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter auf diesere Seite  --- Kennen Sie schon unser Informationsportal wodsch.de?
Uhr


 
Rauch ĂŒber den Baumwipfeln, aber kein Grund zur Sorge
Begleitend zur Stadtwald-Ausstellung im Waldhaus entzĂŒndet das Forstamt einen Kohlenmeiler im SĂ€gendobel

Verkauf der Kohle ab August ĂŒber das Forstamt

Traditionelles SchwarzwĂ€lder Waldgewerbe zum Anfassen bietet der Kohlenmeiler im SĂ€gendobel am Schauinsland. Das Forstamt schichtet ihn ab morgen auf und entzĂŒndet ihn am Freitag, 19. Juni. Im Herbst können die Freiburger und Freiburgerinnen ihre Grillkohle dann direkt beim Amt kaufen. Zuletzt gab es einen solchen Meiler mit anschließendem Kohleverkauf vor fĂŒnf Jahren.

Mit der Aktion erweckt das Forstamt die Holzkohleherstellung, wie sie im Mittelalter am Schauinsland ausgeĂŒbt wurde, zum Leben. Interessierte erhalten einen seltenen Einblick in das traditionsreiche Handwerk. Eine klasse Idee, findet auch BĂŒrgermeisterin Gerda Stuchlik: „Holzkohle ist ein Co₂-neutraler, nachwachsender EnergietrĂ€ger, der als besonders energiereicher und volumenarmer Brennstoff geschĂ€tzt wird. Damit ist der Kohlemeiler auch heute noch ein gelungenes Beispiel fĂŒr klimafreundliche Energieerzeugung.“

Nach dem AnzĂŒnden schwelt der Meiler zwei Wochen lang. In dieser Zeit bietet das Forstamt tĂ€glich um 14.30 Uhr eine kurze FĂŒhrung an. Das Amt bittet dabei darum, die AbstĂ€nde zueinander einzuhalten und sich in die Anwesenheitsliste einzutragen. Wer den Meiler außerhalb der Zeiten besucht, soll den Kohlplatz jenseits des GelĂ€nders und der Absperrungen nicht betreten. Wird der Erdmantel beschĂ€digt, besteht die Gefahr, dass der Meiler unkontrolliert abbrennt.

Mitte Juli öffnet das Forstamt den Meiler dann. Da die frische Kohle noch heiß sein kann, beginnt das Amt aber erst nach deren Absacken und Erkalten mit dem Verkauf. Ab August ist es soweit:

Die „Holzkohle aus dem FSC-zertifizierten Freiburger Stadtwald“ ist beim Forstamt in der GĂŒnterstalstraße 71, 79100 Freiburg, erhĂ€ltlich. Jeder 5-kg Sack kostet 7,50 Euro. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Holzkohle finanzieren die Aktion. Übrigens: Vor Ort können Interessierten bereits ab kommender Woche Kohle aus dem alten Kohlemeiler aus 2015 erwerben.

Das Forstamt weist darauf hin, dass bis Freitag, 3. Juli, aus dem SÀgendobel teils starker Rauch aufsteigt. Je nach Windrichtung kann es im Ortsteil Bohrer zu GeruchsbelÀstigungen kommen. Es besteht jedoch kein Grund zur Sorge.

Der SĂ€gendobel liegt hinter GĂŒnterstal. Wer zum Meiler will, kann auf dem Parkplatz rechts vor der Abzweigung nach Horben parken. Ab dort weist die Beschilderung den 800 Meter langen Weg.

Der Kohlenmeiler wird schwarzwaldtypisch als stehender Rundmeiler aufgebaut. DafĂŒr werden rund 50 Raummeter („Ster“) Brennholz von Buche, Esche verwendet. In der inneren Schicht wird das ein Meter lange Kohlholz senkrecht um einen zentralen Feuerschacht („Quandel“) gestellt. DarĂŒber kommt die zweite Schicht in Form einer Halbkugel. Das Ganze wird mit Fichtenreisig („Rauhdach“) und anschließend mit Erde („Losche“) abgedeckt. Auf diese Weise kann das Feuer kontrolliert schwelen. Nach dem EntzĂŒnden beginnt im Feuerschacht der Verkohlungsprozess, gesteuert durch manuell regulierte Luftzufuhr. Die Dauer des Schwelbrands hĂ€ngt von der verwendeten Holzmenge ab. Beim Kohlemeiler im SĂ€gendobel dauert er je nach Witterung zehn bis 18 Tage. In dieser Zeit ist der Köhler stĂ€ndig vor Ort, um den Abbrand zu beobachten und zu regulieren. Dann ist der Meiler „gar“. Übrig bleibt energiereiche Holzkohle, die gegenĂŒber Holz etwa 50 Prozent weniger Volumen und 75 Prozent weniger Gewicht hat. Deshalb war der Kohlemeiler im Mittelalter die einzige Möglichkeit, Holz aus entlegenen Waldgebieten abzutransportieren und zu nutzen.

Auf dem Schauinsland wurde Holzkohle frĂŒher in großen Mengen benötigt, um Metalle aus den im Bergbau gewonnenen Erzen auszuschmelzen. Bis zur Nutzung fossiler Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Erdgas) war sie neben Holz der wichtigste EnergietrĂ€ger. Holzkohle ein unbelastetes, klimafreundliches Naturprodukt. Grillfans schĂ€tzen die typische, feine Note, die Holzkohle den Speisen verleiht: Der Geschmacksunterschied zum Gasgrill ist klein, aber durchaus wahrnehmbar. Die gute QualitĂ€t der Holzkohle erkennt man ĂŒbrigens daran, dass sie „klingt“, wenn man zwei StĂŒcke aneinander schlĂ€gt.

Wer mehr ĂŒber das Waldhaus und die dort gezeigte Ausstellung zur Geschichte des Stadtwaldes wissen möchte, wird im Internet unter www.waldhaus-freiburg.de fĂŒndig.

zum Bild oben:
Ein Foto des Kohlenmeilers vor fĂŒnf Jahren (damals noch ohne Corona-Mindestabstand!)
Quelle: Stadt Freiburg
 
Eintrag vom: 17.06.2020  




zurück
freiburger-stf.jpg
oekoplus.gif
gruenequellen.jpg
historixBanner.jpg

Mittagstisch-in-Freiburg




Copyright 2010 - 2021 Benjamin Jäger