Prolixletter
Sonntag, 17. Dezember 2017
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Gestaltungsbeirat Freiburg: FĂĽr Erhalt des Familienheim-Quartiers
Wir sind GenossenschaftlerInnen des Familienheim Freiburg und BürgerInnen, die sich gemeinsam für den Erhalt unseres Viertels an den Wiehre-Bahnhöfen einsetzen. Zusammen stellen wir uns einer Wohnungspolitik entgegen, die günstigen Wohnraum reduziert und somit die Gentrifizierung – also die Verdrängung von ansässiger Bevölkerung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten – unseres Quartiers vorantreibt.

Am 30.11.2017 stellte Familienheim in öffentlicher Sitzung vor dem Gestaltungsbeirat Freiburg ihr Neubauvorhaben in der Quäkerstr. 1-9 vor. In den Plänen wurde der beabsichtigte fünfstöckige Ersatzbau entlang der Quäkerstr. und ein zusätzliches vierstöckiges Gebäude, das im Innenhof platziert werden soll, vorgestellt. In seiner anschließenden Stellungnahme äußerten sich die Mitglieder des Gestaltungsbeirats daraufhin wie folgt.

Wir als Initiative „Wiehre für alle“ haben zusammenfassend einige Zitate zusammengetragen:

„Die bestehenden Gebäude verhalten sich kollektiv zueinander. Sie haben die gleichen Dächer und schöne Eingangstüren und sind insgesamt von schlichter Schönheit.“

„Die gesamte bestehende Anlage ist ein beeindruckendes städtebauliches Ensemble.“

„Das gesamte bestehende Ensemble ist stimmig. In fast jeder Stadt gibt es Orte, die etwas Besonderes ausmachen. Dieses Ensemble ist beispielgebend für die gesamte Stadt Freiburg.“

„Die Identität eines Quartiers wächst über Jahrzehnte und kann mit einem Abriss binnen kürzester Zeit zerstört werden. Die bestehenden Familienheim-Neubauten Quäkerstraße 2,4 sowie Grillparzerstraße lassen genau diese Identität vermissen. Sie dürfen nicht die Richtschnur für das sein, was auf der gegenüberliegenden Seite (Quäkerstr. 1,3,5,7,9) passiert.“

„Die angedachte Nachverdichtung durch ein zusätzliches Wohnhaus im Innenhof hinter der Quäkerstr. 1,3,5,7,9 geht gar nicht. Der jetzige Freiraum ist ideal mit der Bebauung der 1950er Jahre abgestimmt. Wenn man dort ein zusätzliches Haus hin baut, ist das ganze Gefüge nicht mehr stimmig. Es ist die falsche Haltung, dahin zu bauen, wo noch Platz ist.“

„Das, was Sie hier an Planungen präsentiert haben, und das, was das Quartier ausmacht, bewegt sich in zwei unterschiedlichen architektonischen Welten. Sie beziehen sich nicht auf das Gesamtensemble.“

„Es stellt sich die Frage: Was ist das übergeordnete konzeptionelle Ziel für dieses Ensemble?“

„Aus Ihren eingereichten Unterlagen ist nicht ersichtlich, warum die Häuser nicht erhalten werden können.“

„Die Frage muss sein, was kann man in diesem Quartier machen, ohne dass die vorhandene Eigenständigkeit und Identität kaputtgeht? Wie kann man den Charakter der Anlage erhalten?“

„Sie sollten noch einmal neu über das Vorhaben nachdenken. Wir unterstützen Sie gerne bei einer behutsamen Sanierung des Quartiers.“

Zusammenfassend lässt sich demnach sagen, dass dieses unabhängige Expertengremium zu demselben Schluss kam, der auch das Ergebnis unserer Befragung der BewohnerInnen im Quartier war: „Planen Sie bitte so, dass es weitgehend bleibt, wie es ist.“

Dadurch sehen wir uns deutlich darin gestärkt, mit Nachdruck für den Erhalt des gesamten Quartiers einzutreten. Wir sind stolz darauf, dass wir in einem städtebaulich für die gesamte Stadt Freiburg bedeutsamen Quartier leben und dass unsere Genossenschaft dieses Kleinod in ihrem Besitz weiß!

Die hier bestehende diversifizierte Bewohnerstruktur ist etwas Besonderes für ganz Freiburg und speziell für die Wiehre. Führt man sich die bedauerliche städtebauliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte vor Augen, repräsentiert unser Quartier eine der letzten Bastionen einer lebenswerten städtischen Umwelt und wirkt der sozialen und seelischen Verarmung der Städte entgegen.
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Eintrag vom: 05.12.2017  




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