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Sonntag, 28. November 2021
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Bedrohter Ostseeschweinswal steht stellvertretend fĂŒr verfehlte Meerespolitik
Internationaler Tag des Ostseeschweinswals: Fischerei neu ausrichten und Fehmarnbelttunnel stoppen

Berlin – zum Internationalen Tag des Ostseeschweinswals am 17. Mai fordert der NABU mehr politische Verantwortung zum Schutz mariner Arten. Sektorale Interessen verhindern seit Jahren, dass sich der stark bedrohte Ostseeschweinswal erholt. Sein andauernd schlechter Zustand steht laut NABU stellvertretend fĂŒr eine verfehlte Meerespolitik. In der zentralen Ostsee leben nur noch etwa 500 Tiere. „Angesichts von Klimakrise und Artensterben ist es an der Zeit, Schutzgebietsmanagement wirkungsvoll umzusetzen, Stellnetze durch naturvertrĂ€gliche Alternativen zu ersetzen und den Bau des Fehmarntunnels zu stoppen“, fordert NABU-PrĂ€sident Jörg-Andreas KrĂŒger.

Hohe Beifangzahlen und fehlende Reformen in der KĂŒstenfischerei, Marinesprengungen und Infrastrukturprojekte inmitten von Schutzgebieten – die Liste der Gefahren fĂŒr den Schweinswal ist lang. „LĂ€ngst hat Deutschland seine internationale Vorreiterrolle im Meeresschutz verloren. Es ist traurig, dass heute kilometerlange Stellnetze in Ostseeschutzgebieten stehen und vermutlich Hunderte von Schweinswalen das Leben kosten. Immer wieder erleben wir, dass sogenannte Nutzerressorts den Schutz bedrohter Arten und LebensrĂ€ume verhindern“, kritisiert Kim Detloff, NABU-Leiter Meeresschutz. So fehlen bis heute Fischereiregulierungen in Schutzgebieten, da sich das federfĂŒhrende Bundeslandwirtschaftsministerium nicht mit dem Bundesumweltministerium auf dessen MaßnahmenvorschlĂ€ge verstĂ€ndigen konnte. Das Bundesverkehrsministerium und die Landesregierung in Schleswig-Holstein halten am Projekt des Fehmarnbelttunels fest, der einen 20 Kilometer langen und 100 Meter breiten Graben in ein fĂŒr den Schweinswal ausgewiesenes Naturschutzgebiet reißen soll. Den Meeren fehlt die Lobby und die Politik denkt viel zu oft in Sektoren anstatt gemeinsam Verantwortung fĂŒr die Meeresnatur vor der HaustĂŒr zu ĂŒbernehmen.

Nur eine Woche bevor die EuropĂ€ische Kommission ihre Strategie zum Schutz der biologischen Vielfalt vorlegen will appelliert der NABU an die deutsche Politik, dem Ostseeschweinswal und damit vielen weiteren marinen Arten Schutz zu geben. Jörg-Andreas KrĂŒger: „Mindestens 50 Prozent der deutschen Meeresschutzgebiete mĂŒssen frei von Fischerei und anderen schĂ€dlichen Nutzungen sein. Die Fischereiforschung muss gestĂ€rkt und Anreize fĂŒr den Einsatz umweltschonender FanggerĂ€te geschaffen werden. Und angesichts gesellschaftspolitischer Transformationsdebatten um die MobilitĂ€t von morgen sollte das Verkehrsprojekt des letzten Jahrhunderts, der Tunnel durch den Fehmarnbelt, neu bewertet und durch das Bundesverkehrsministerium gestoppt werden.“

Hintergrund:
Der Schweinswal ist der einzige Wal, der sich auch an den KĂŒsten Deutschlands fortpflanzt. In der Ostsee werden zwei Populationen unterschieden. In der zentralen Ostsee, dem Gebiet östlich von RĂŒgen, leben nur noch etwa 500 Tiere, sie gelten nach EinschĂ€tzung der Weltnaturschutzunion (IUCN) als vom Aussterben bedroht. Die westliche Schweinswalpopulation, deren Verbreitungsgebiet von Fischland-Darß bis in den Kattegat reicht, zĂ€hlt heute etwa 18.500 Individuen. Auch sie leidet unter ungewollten BeifĂ€ngen und zunehmenden Lebensraumverlusten, nimmt zahlenmĂ€ĂŸig ab. ASCOBANS, das von Deutschland ratifizierte Abkommen zum Schutz von Kleinwalen in Nord- und Ostsee hat bereits 2002 einen Rettungsplan fĂŒr die Schweinswale in der Ostsee verabschiedet. Doch wurden die vorgeschlagenen Maßnahmen des sogenannten Jastarnia-Plans bis heute nicht ausreichend umgesetzt.
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Eintrag vom: 15.05.2020  




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